Negative richtig lagern

Sie möchten nicht ihre Negative scannen lassen oder haben dies bereits gemacht, möchten parallel aber auch die Originale weiterhin sicher aufbewahren?

Dann sollten Sie sich näher mit der Lagerung von Negativen auseinandersetzen. Denn diese hat einen maßgeblichen Einfluss auf die restliche Lebensdauer Ihrer Negative.

Negative halten nicht ewig

Auch wenn sich bei vielen Menschen der Gedanke festgesetzt hat, dass Negative quasi ewig halten, trifft dies nicht zu. Die Lebensdauer eines Fotonegativs hängt von mehreren Faktoren ab:

  • dem Trägermaterial (Glas, Film, etc.)
  • der Qualität des Films
  • der Qualität der Entwicklung im Fotolabor
  • ob es sich um schwarz-weiß- oder Farbfilm handelt

Durch die große Schwankungsbreite an Materialien und Verarbeitungsqualitäten ist es schwer zu sagen, wie lange Negative konkret halten. Fakt ist aber, dass diese definitiv nicht ewig halten.

So oder so liegen diese Faktoren jedoch in der Vergangenheit und können nicht mehr beeinflusst werden. Sie können allerdings die Lagerung beeinflussen. Eine korrekte Lagerung kann die Lebensdauer von Filmmaterial nämlich massiv verlängern.

Grundregeln

Selbst falls Sie nicht in der Lage sein sollten, die richtigen klimatischen Bedingungen für Ihre Negative (siehe unten) zu schaffen, so gibt es doch einige Verhaltensregeln, die sie beachten sollten, um Ihre Bilder zu schützen.

(1) Fotos und Negative nicht am gleichen Ort aufbewahren

Grundsätzlich sollten Sie nie Originale und Kopien am gleichen Ort aufbewahren. Wenn Sie beispielsweise Negative und Abzüge (die ja eine Kopie des Negativs darstellen) am selben Ort aufbewahren und einen Feuer- oder Wasserschaden erleiden, dann sind alle Erinnerungen vernichtet. Oft ist es möglich, beispielsweise die Negative bei einem Familienmitglied unter zu bringen, so dass nicht beide gemeinsam zerstört werden.

Wer seine Bilder digitalisiert hat, ist im Vorteil, da man dadurch in der Lage ist, die digitalisieren Bilder in die Cloud (z.B. eine Foto-Mediathek) hochzuladen, so dass sie sich physisch an einem anderen Ort befinden.

(2) Gehen Sie sorgsam mit Ihren Negativen um!

„Der größte Feind des Fotos bleibt der Mensch.“

Sie wären überrascht wie viele physisch beschädigte Negative uns jeden Tag begegnen. Die Schäden reichen von vollgematschten Negativstreifen, da die Kinder diese in die Hände bekommen haben und diese einmal „richtig“ sortieren wollten, bis zu Fingerabdrücken auf den Negativen.

Letztere kommen relativ häufig vor und sind in den meisten Fällen als katastrophal einzustufen, da die hunderten kleinen Rillen des Fingerabdrucks auch in Photoshop kaum mehr aus einem Gesicht entfernt werden können. Dies hätte mit einem günstigen Paar Fotohandschuhen vom Fach- oder Onlinehandel vermieden werden können.

Bitte lassen Sie Ihre Negative möglichst unberührt, es sei denn, Sie wollen diese einmalig in eine bessere Lagerung überführen.

Wärme, Feuchtigkeit & Licht – die natürlichen Feinde des Negativs

Mehrere Umweltbedingungen können den natürlichen und unaufhaltsamen Verfall Ihrer Negative massiv beschleunigen, wenn diese nicht durch eine korrekte Lagerung kontrolliert werden.

Temperatur

Wie man es vom Kühlschrank kennt, sorgt Kälte dafür, dass natürliche Zerfallsprozesse verlangsamt werden. Dies gilt auch für Negative.

Deshalb sind professionelle Archive auch immer kalt klimatisiert. Bitte kommen Sie aber nicht auf die Idee, Negative zukünftig im Kühlschrank aufbewahren zu wollen, dieser ist nämlich deutlich zu feucht!

Grundsätzlich gilt, dass Sie für jede dauerhafte Temperatursenkung um 5°C die Lebensdauer Ihrer Negative verdoppeln können.

Temperatur in °CLebensdauer
< 7 °Cx10
< 12 °Cx5
< 19 °Cx2
< 24 °Cnormal
< 30 °Chalbiert

Wichtig ist auch, dass die Temperaturen nicht allzu sehr schwanken. Die Unterbringung im sich im Sommer stark erhitzenden Dachgeschoß verbittet sich daher.

Sie merken schon, es ist zwar möglich, die Lebensdauer der Negative allein durch Kühlung massiv zu erhöhen. Allerdings ist es gar nicht so einfach, einen geeigneten Raum zu finden, der nicht nur kühl ist, sondern möglichst auch Temperatur-stabil. Fast unmöglich wird es jedoch, wenn Sie die andere wichtige Komponente berücksichtigen, die Luftfeuchtigkeit.

Feuchtigkeit

Neben der Wärme ist die Feuchtigkeit der große Feind Ihrer Negative. Auch hier gilt: Wenn es möglich ist, die Luftfeuchtigkeit in vernünftigem Maße zu senken, vervielfacht sich die Lebensdauer Ihrer Negative.

Lebensdauer bei Luftfeuchtigkeit

relative LuftfeuchtigkeitLebensdauer
60%halbiert
40%normal
15%verdoppelt

Die Luftfeuchtigkeit weicht die fotografische Schicht auf, dadurch können Schadstoffe leichter eindringen und das Bildsilber beschädigen, und somit bleichen die Bilder schneller aus.

Ab 60% relativer Luftfeuchtigkeit beginnt auch der Schimmelbefall und Bakterienfraß setzt ein. Bei Farben ist es alles noch viel schlimmer, da es sich nicht um relativ stabiles, metallisches Bildsilber handelt, sondern um organische Farbpigmente die sehr empfindlich sind und somit nicht lange lagerbar sind.

Damit verbittet sich in der Regel auch die Lagerung im Keller, da dieser zwar meist kälter ist, aber oft auch relativ feucht ist. Die gewonnene Lebensdauer aus der niedrigeren Temperatur bringt nichts, wenn Ihre Negative anfangen, durch die hohe Luftfeuchtigkeit zu schimmeln.

Licht, Staub & Säure

Licht, insbesondere das Sonnenlicht mit seinem hohen UV-Anteil ist der Feind jedes Bildes. Wer schon einmal ein altes Foto aus einem Bilderrahmen genommen hat, hat sicherlich die Auswirkungen des Lichts gesehen.

Aber auch Staub kann sich an den Negativen festsetzen und sollte vermieden werden.

Ein Punkt der gerne übersehen wird, ist, dass auch Chemikalien die Bilder beschädigen können. Wenn auch die wenigsten Industriegase zu Hause zirkulieren haben, so werden doch oft Kopierer und Laserdrucker übersehen. Diese pusten chemische Partikel in die Luft, die elektromagnetische Felder erzeugen und die empfindlichen Negative beschädigen können.

Aufbewahrungssystem

Ein weiterer wichtiger Faktor, der oft unterschätzt wird, ist das Aufbewahrungssystem.

Die Fototaschen, in denen Sie Ihre Negative vom Fotolabor erhalten haben sind oft nur eingeschränkt für eine Langzeit Archivierung geeignet. Das Papier ist meist zu hart und kann die Negative zerkratzen.

Des Weiteren weist es einen Anteil Holzschliff auf, der im Alterungsprozess verschiedene Peroxide absondert, der insbesondere schwarz-weiß Negative beschädigen kann. Oft ist auch nicht ganz klar, ob das Papier Säurefrei ist, besonders, wenn es sich um Filmtaschen vom Discounter handelt.

Grundsätzlich sollten Sie von allen improvisierten oder nicht speziell für die Fotografie vorgesehenen Methoden Abstand nehmen. Weder Briefumschläge, noch normale Aktenmappen oder sonstiges Büromaterial sollte verwendet werden. Es ist nahezu immer zu rau und sondert auch über die Jahre Chemikalien ab, die für den Menschen ungefährlich, aber für Ihre Negative schädlich sind.

Eigentlich sind spezielle Negativhüllen aus Pergamin die einzige korrekte Aufbewahrung für Negative. Diese gibt es im A4-Format, so dass man sie in Ordner einheften kann. Pro Blatt lassen sich sieben Negativstreifen mit je sechs Negativen unterbringen.

Der große Vorteil des Pergamin-Papiers ist, dass es extrem weich ist und somit die Negative nicht zerkratzen kann. Zudem ist es Antistatisch, so dass Partikelansammlungen auf den Negativen vermieden werden.

Bitte verwenden Sie keine Negativhüllen aus Plastik! Diese verhindern die „Atmung“ der Negative. Feuchtigkeit wird im Inneren gefangen und führt zu Schimmel- und Bakterienbefall. Zudem erleben wir immer wieder, wie Negativstreifen und die Hülle miteinander verschmelzen und die Negative kaum wieder aus der Hülle gelöst werden können.

Die Pergaminhüllen sollten Sie dann wiederum in speziellen Archivbehältern aufbewahren. Die Kombination aus beiden ist wichtig, um die Negative zum einen vor schädlichen äußeren Einflüssen zu schützen. Zum anderen sind sie jedoch so atmungsaktiv, dass im Verfallsprozess entstehende Gase entweichen können und Feuchtigkeit nicht im Inneren gefangen werden kann.

Falls Ihre Negative in einer Rolle sind, sollten Sie diese in Streifen schneiden und in Pergaminhüllen überführen, da die Krümmung die Negative auf die Dauer brüchig macht.

Negative doch digitalisieren?

Der Aufwand für eine korrekte Lagerung der eigenen Negative ist enorm groß, solange man kein Zugriff auf ein professionelles Archiv hat. Allein die Regulierung der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit stellt für die meisten Menschen ein unüberwindbares Hindernis dar. Eine sinnvolle Alternative dazu ist das Digitalisieren. Es bietet sich auch an, sowohl die korrekte Lagerung als auch die Digitalisierung vorzunehmen, um auf der sicheren Seite zu sein.