Negativformate – welche Arten von Negativen gibt es?

Wer sich mit der Digitalisierung von Fotonegativen beschäftigt, stolpert oft als erste über die Frage, was für Negative man überhaupt vor sich hat. Denn die Größe und der Typ entscheiden nicht nur darüber, welchen Scanner man dafür benutzen kann sondern führen auch oft zu großen Preisunterschieden, falls man die Digitalisierung von einem Dienstleister durchführen lassen will.

Von Fingernagelgroß bis zu A4 gibt es dutzende Varianten. Das macht es nicht immer leicht, sich einen Überblick zu verschaffen.
Wir möchten Ihnen daher die gängigsten Negativformate vorstellen.


Zwischenfrage: Sollte man eigentlich lieber Fotoabzüge oder deren Negative digitalisieren?

Klare Antwort: Man sollte grundsätzlich immer die Negative scannen.

  • Die Negative wurden in der Regel geschützt in der Negativtasche aufbewahrt und sind von Schmutz und fettigen Fingern verschont geblieben.
  • Das manuelle Nacharbeiten von Kratzern, etc. ist deutlich einfacher, da es weniger Beschädigungen und Verschmutzungen gibt.
  • Die Scansoftware viele Scanner kann aus Negativen schlichtweg mehr herausholen.
Interessanter Fakt: Wundern Sie sich nicht, falls Sie gar keine Negative von alten Fotos besitzen. Früher war es oft üblich, dass der Fotograf die Negative einfach behalten hat. Damit konnte er den Kunden dazu zwingen, Folgeabzüge bei ihm zu kaufen.

Handelt es sich überhaupt um Negative oder sind es tatsächlich Dias?

Dia: Auch wenn man bei Dias meist an die gerahmte Variante denkt, begegnet man oft ungerahmten Dias in Filmstreifen, die aus der Distanz wie Negativstreifen aussehen.

Tatsächlich sind es aber Dias. Erkennen können Sie das daran, dass die Bilder auf den Streifen – gegen das Licht gehalten – in den richtigen Farben erscheinen. Das liegt daran, dass Dias sogenannte „Positive“ sind, also wie Fotoabzüge das Bild richtig darstellen.

Negativ: Bei Negativen sind hingegen die Farben in ihre Komplementärfarben umgekehrt, was ihnen das typische Aussehen gibt. Erst durch das Entwickeln oder scannen entsteht das fertige Bild. Für das Scannen spielt das aber eigentlich keinen Unterschied. Fast alle Scanner und Scandienstleister sind in der Lage auch Diastreifen zu verarbeiten.


Kleinbildformate

Kleinbildformate bedeutet erst einmal nur, dass – vereinfacht gesagt – die Negative klein sind. Die Größen reichen dabei von den wirklich winzigen Negativen des Disc Films bis zu den normalen Standardnegativen.

Der Standard: Das Kleinbildformat


Wenn Sie die Augen schließen und sich Negative vorstellen, dann denken sie mit Sicherheit an das Standard Kleinbildformat. Es ist mit Abstand das am weitesten verbreitete Negativformat und ist leicht daran zu erkennen, dass es oben und unten Führungslöcher hat.

Es wird auch oft als KB-Film („Kleinbildfilm“), „Normalfilm“ oder als „35mm Film“ bezeichnet.


Das APS-Format


 

 

 

 

Das APS-Format war der letzte größere Entwicklungssprung in der analogen Fotografie, bevor die Digitalfotografie diese abgelöst hat. Sie waren nur von 1996 bis ca. 2002 auf dem Markt.

Während herkömmliche Negative in den allseits bekannten Negativtaschen aufbewahrt wurden, war die Besonderheit dieses Formats, dass der Negativfilm nie die Filmpatrone verlassen hat.

An der typischen Filmpatrone mit den Zahlen 1-4 auf der Unterseite sind sie auch leicht zu erkennen. Den Negativstreifen selbst sehen sie eigentlich nur selten. Bitte beachten Sie, dass der Film für das Negative scannen schon entwickelt sein muss, also auf der Zahl „4“ stehen muss.


Instamatic 110 / Pocketfilm

Die Negative von Instamatic 110 Filmen, die vielleicht besser unter dem Namen Pocketfilm bekannt sind, sind sehr leicht zu erkennen.

Die Negative sind deutlich kleiner als normale Kleinbildnegative. Zudem befinden sich nur an der Oberkante Löcher. Auch den noch nicht entwickelten Film kann man anhand der zwei kleinen Trommeln, die mit einer geschwungenen Schiene verbunden sind erkennen.

Man sollte von der Digitalisierung aber nicht zu viel erwarten, da die Qualität des Filmmaterials und der Kameras oft sehr zu wünschen übrig ließ.


Instamatic 126

Sozusagen der große Bruder des Instamatic 110 / Pocketfilms. Auch hier ist die Filmpatrone sehr typisch durch die zwei Trommeln. Sie sieht jedoch so aus, als hätte man zwei Pocketfilm-Patronen übereinander gestapelt.

Die Negative sind wieder leicht zu erkennen: Sie sind fast so groß wie die Standard Kleinbildnegative, weisen jedoch die Transportkerben nur an der Unterseite auf.


Discfilm

Das am einfachsten zuzuordnende Negativformat und ein wahrer Exot.

15 Negative sind kreisförmig in einer Scheibe angeordnet und schwer mit anderen Formaten zu verwechseln.

Da die Negative wirklich extrem klein sind (noch kleiner als der Pocketfilm), darf man keine zu großen Erwartungen an das gescannte Endergebnis stellen.

 


Sonderfall Glasnegativ


Bevor es durch die Erfindung des Zelluloids im 19. Jahrhundert möglich war, Fotoemulsionen auf den uns bekannten Filmen aufzutragen waren Negative aus Glas. Aber auch danach wurden Glasnegative, die man auch als Fotoplatten bezeichnet, verwendet, wenn es darum ging besonders langlebige Negative zu erhalten.

Da sie im Gegensatz zu den anderen Negativformaten aus Glas sind, sind sie leicht zu identifizieren. Zudem sind Es handelt sich dabei übrigens nahezu immer um Schwarz-Weiß-Negative.


Mittelformate

Als Mittelformate bezeichnet man alle Negative, die größer sind, als das normale Kleinbildformat.

In der Praxis handelt es sich jedoch meistens um Größen zwischen 4,5 x 6 cm bis 6 x 9 cm.

Am gängigsten sind dabei die folgenden Mittelformate:

  • 4,5 x 6 cm
  • 6 x 6 cm
  • 6 x 7 cm
  • 6 x 9 cm

Dabei ist das quadratische Format 6×6 cm weitesten verbreitet.


Großformate

Als großformatige Negative werden alle Negative angesehen, die größer als 6×9 cm sind. Sie können bis zu DIN A4 groß werden. Besonders verbreitet sind die Maße 9 x 12 cm und 13 x 18 cm.

Aufgrund der großen Fläche muss man beim Scannen allerdings darauf achten, dass die DPI Zahl nicht zu hoch wird, da sonst Grafikdateien im Bereich von mehreren hundert Megabyte herauskommen können.


Ist es für das Scannen wichtig, ob die Negative farbig oder schwarz-weiß sind?

Gute Scanner sind mit Technik und Software ausgerüstet, die in der Lage ist, schon während des Scannens viele Probleme zu beheben. So können z.B. Staubkörner, kleine Kratzer und Farbprobleme behoben werden. Allerdings funktioniert diese Software schlichtweg nicht besonders gut, wenn es sich um Schwarz-Weiß-Bilder handelt.

Man kann die Bildprobleme natürlich immer noch manuell z.B. mit Photoshop beheben. Allerdings ist der Aufwand dafür ungleich geringer, wenn einem der Scanner schon einen guten Teil der Arbeit abnimmt.

Wer also überwiegend Schwarz-Weiß-Negative (egal welchen Formats) besitzt, sollte es sich gut überlegen, ob das selber scannen überhaupt Sinn macht, da es deutlich mehr Zeit und Ahnung von Bildbearbeitung erfordert als bei Farbnegativen.